Das Landratsamt Tübingen

Das Landratsamt am Mühlbach

Die neue Adresse des Landratsamtes ist die Wilhelm-Keil-Straße. Vom Vorplatz, der auf der Achse zwischen Bahnsteg und Regierungspräsidium liegt und der Stadt zugewandt ist, betritt der Besucher das Foyer. Hier zweigt die Glashalle, die drei Ebenen des Gebäudes verbindet, ab. Von ihr aus gelangt man in den großen Sitzungssaal. Bei Bedarf können Glashalle und Sitzungssaal gemeinsam genutzt werden. Der kleine Sitzungssaal und die öffentliche Cafeteria können in Verbindung mit der Glashalle und dem großen Sitzungssaal auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten genutzt werden. Auch die publikumsintensive Zulassungsstelle und die Bürgerinformation im Erdgeschoss sind vom Foyer aus zu erreichen. Die Bearbeitungsplätze sind so ausgerichtet, dass sich Kunde und Sachbearbeiter „auf Augenhöhe“ begegnen. Vor dem Gebäude befinden sich die übersichtlich gestalteten Besucherparkplätze. Die Einfahrt zur Tiefgarage für die Mitarbeiter, sowie der Zugang zum Veterinäramt und zu den Zentralen Diensten befinden sich auf der südlichen Seite.

Das Gebäude

Die Wilhelm-Keil-Straße

Die Geschichte der Kreisgebäude

von Dr. Wolfgang Sannwald

Historisches Bild des ersten Kreisgebäudes. Foto: Stadtarchiv Tübingen
Historisches Bild des ersten Kreisgebäudes. Foto: Stadtarchiv Tübingen

Zum Jahreswechsel 2005/2006 bezog die Tübinger Kreisverwaltung ihr neues Gebäude in der Wilhelm-Keil-Straße 50. Damit fand das langwierige Streben nach einem einheitlichen Verwaltungssitz sein - vorläufiges - Ende. Dieses Streben beginnt in der Mitte des 15. Jahrhunderts, als der württembergische Vogt die Interessen der Herrschaft sowohl in der Stadt wie auch in den amtsangehörigen Dörfern vertrat. Seit 1759 führte er die Bezeichnung „Oberamtmann“, seit 1934 die des „Landrats“. Der Dienstsitz des Oberamtmanns war zunächst das Gebäude Collegiumsgasse 3 in Tübingen. Von dort zog der Vertreter der Herrschaft 1907 in das eigens errichtete Oberamtsgebäude in der Rümelinstraße 19 um. In diesem Gebäude, das lange Zeit zur Kinderklinik gehörte, hatte der Landrat noch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs seinen Sitz. Allerdings reichten die Büros bereits damals nicht mehr für alle Beschäftigten. Beispielsweise befand sich das Sozialamt 1945 auf dem Schlossberg im Haus der Studentenverbindung „Derendingia“. Auch Ältere, Gebrechliche, Schwerkriegsbeschädigte und Schwangere mussten dorthin den Berg hinauf steigen, wenn sie wegen ihrer „Fürsorge“ vorsprechen wollten.


Hier finden Sie weitere Informationen über die ehemaligen Kreisgebäude:

Die Vorgeschichte

Doblerstraße 15

Doblerstraße 13

Doblerstraße 21

Bismarckstraße 110

Behördenzentrum Mühlbachäcker

Behörden am Mühlbach

Luftbild Behördenzentrum Mühlbackäcker 2006. Foto: Grohe
Luftbild Behördenzentrum Mühlbackäcker 2006. Foto: Grohe

Der Neubau des Landratsamtes ergänzt die Ansammlung von Behörden- und Verwaltungseinrichtungen auf den Mühlbachäckern. Zwischen dem Regierungspräsidium im Osten des Landratsamtes und dem Sparkassen Carré im Norden bildet der Mühlbach mit seiner Vegetation einen großzügigen Freiraum.
Charakteristisch für den Neubau des Verwaltungsgebäudes des Landkreises Tübingen sind die zwei in Nord-Süd-Richtung verlaufende und zueinander leicht versetzte Längsbaukörper. Sowohl die wichtigen Blickbeziehungen zu Schlossberg und Stiftskirche, als auch die Fußwegverbindungen und die Frischluftströme wurden so in die Architektur integriert.
Die Form des Gebäudes gliedert den Außenbereich in drei Teile: den Vorbereich, den Innenhof und die Mühlbachaue. Vor dem westlichen Flügel bildet eine großzügige Asphaltplatte einen Vorplatz zur Wilhelm-Keil-Straße. Die organisch geformten Intarsien aus Beton finden sich sowohl auf dem Vorplatz, als auch im Innenhof. Diese bilden mit ihrer Bepflanung im Innenhof einen Kontrast zum Basaltpflaster mit grünen Fugen.
Der östliche Gebäudeteil, in dem sich die Cafeteria befindet, ist durch eine der Cafeteria vorgelagerte Holzdecke charakterisiert. Ein Wiesenband mit blühenden Blumen zieht sich durch die Aue des Mühlbachs. Ergänzt wird dieses Band durch eine Retentionsfläche, die mit Sandsteinplatten von der übrigen Fläche abgegrenzt ist und im Falle eines Hochwasserabflusses als Überflutungsfläche genutzt werden kann.
Die Dachflächen der Längsbauten sind begrünt und mit Solaranlagen ausgestattet. Auf dem südlichen Querbau bietet ein Dachgarten mit Staudenbepflanzung und Holzdeck Raum für gemütlichen Aufenthalt.

Arbeiten im Landratsamt

Foto Blick in die Glashalle. Bild: Metz.
Foto Blick in die Glashalle. Bild: Metz.

Die Büroräume sind zweibündig organisiert und haben ein einheitliches Grundraster. Eine Breite von 3,90 Metern ermöglicht vielfältige Nutzungsszenarien. Die zentralen Querbauten öffnen den Grundriss zu großzügigen, geschossübergreifenden Lufträumen mit eingehängten Treppen.
Die notwendigen Service- und Technikeinrichtungen, sowie die zentralen Fluchttreppenhäuser und Aufzuganlagen sind gut zu erkennen in dunkelrot changierende Wandverkleidungen integriert. Zentral gelegen sind auch die geschossbezogenen Besprechungsräume, die an den „Wegkreuzungen“ zu den Querbauten liegen und so gut erreichbar sind. Größere Besprechungen und Konferenzen werden in den Fraktionszimmern oder den Sitzungssälen abgehalten.
Der Grundriss der zwei Längsbauten ist flexibel gestaltet, damit zukünftige interne Umstrukturierungen in den ersten drei Geschossen problemlos durchgeführt werden können.

Modernes Klimamanagement im Landratsamt

Foto Landratsamt von RP
Foto Landratsamt von RP

Der sommerliche Wärmeschutz wurde mit einem geringen Aufwand an baulichen Maßnahmen zur Verfügung gestellt. Zusätzlich zur Belüftung durch die Fenster sind alle obersten Geschosse und die südlich gelegenen Büros mit einer Bauteilkühlung ausgestattet, die in die Sichtbetondecke integriert wurde.
Die bis zu 20 Meter langen Bohrpfähle, auf denen das Gebäude gegründet ist, ermöglichen eine Heizung und Kühlung durch oberflächennahe Geothermie. Die Temperatur des Erdreichs reicht für die Versorgung der Bauteilkühlung im Sommer aus. Im Winter wird die Wärmeenergie des Erdreichs mittels einer Wärmepumpe für die Fußbodenheizung und die Bauteilheizung genutzt. Die Fußbodenheizung kann im Sommer außerdem zum Kühlen genutzt werden.
Die Zuluft für die mechanisch belüfteten Sitzungssäle, die Zulassungsstelle und die Cafeteria wird über einen Erdkanal vorkonditioniert und über Quellluftauslässe in die Großräume entlassen.
Von der Sonne verwöhnt wurde 2006 das Landratsamt Tübingen. Die Firma Tauber-Solar in Tauberbischofsheim, die die Photovoltaikanlage auf den 2.800 Quadratmeter großen Dachflächen der beiden Gebäuderiegel in der Wilhelm-Keil-Straße 50 betreibt, erzielte statt der kalkulierten 106.000 Kilowattstunden einen Ertrag von 124.268 Kilowattstunden. Der private Betreiber konnte also circa 17 Prozent mehr Strom in das öffentliche Netz einspeisen. Der Ertrag reichte aus, um etwa 33 Vier-Personen-Haushalte während des ganzen Jahres 2006 mit Strom zu versorgen. Auf den optimal nach Süden orientierten und extensiv begrünten Flachdächern ist die Photovoltaikanlage der Firma Tauber-Solar mit einer Leistung von 117,85 Kilowattpeak am 25.10.2005 ans Netz gegangen.