Gedenkstätte Synagoge

Die Baisinger Synagoge ist ein eindrucksvolles und anschauliches Denk- und Mahnmal. Denkmal für die einst selbstverständliche Jahrhunderte lange Integration jüdischer Mitbürger in das Dorfleben und für ihr jähes, schreckliches Ende.

Baisinger Synagoge Rottenburg-Baisingen: Blick auf die Frauenempore

Mahnmal gerade auch für jüngere Besucher, dass sich diese Art von Geschichte nicht wiederholen darf. Die 1784 erbaute Synagoge ist heute ausschließlich Gedenkstätte, sie dient keinen sakralen Zwecken mehr. Die 1998 als Gedenkstätte wieder eröffnete Synagoge macht die Spuren der Vergangenheit erfahrbar. So auch die anderthalb Jahrhunderte, während denen das Gebäude als Dorfsynagoge genutzt wurde. Den einstigen Männerbau überwölbt auch heute noch ein wunderschöner blauer Sternenhimmel. Auf der Frauenempore verdeutlicht eine Dauerausstellung das jüdische Leben in Baisingen. Bilder, Dokumente und Beschreibungen
werden durch verschiedene Zeugnisse jüdischer Kultur ergänzt, die teilweise aus der Genisa („Schatzkammer"), dem Aufbewahrungsort nicht mehr benötigter religiöser
Schriften und Gegenstände im Dachboden des Gebäudes, geborgen wurden: Gebetsbücher, bestickte Mappot (Beschneidungstücher, Torawimpel und -binder), Wand- und Taschenkalender, Weidenschlaufen, Gebetsriemen (Tefilen) und ein Widderhorn (Schofar), das zum Neujahrsfest geblasen wurde. Die zurückhaltende, aber sehr übersichtliche Präsentation, u.a. in großen Schubladen, erleichtert den Zugang zu den Ausstellungsstücken. In der Gedenkstätte sind nach einem richtungsweisenden Restaurierungskonzept aber auch die Narben der Zerstörung in der Pogromnacht am 10./11. November 1938 sichtbar erhalten geblieben. Damals zertrümmerten SA-Männer die Fenster und Türen, verwüsteten das Innere und setzten herausgeschlagenes Mobiliar vor der Synagoge in Brand. Im Inneren blieben die Spuren der Barbarei: Aussparungen der herausgerissenen Bänke im Wandputz, ein Loch in der Westempore, die Vertiefung in der Mitte des Kuppeldachs, die der herausgerissene Kronleuchter hinterlassen hat, das große Scheunentor, das die landwirtschaftliche Nutzung des Gebäudes in der Nachkriegszeit verdeutlicht. Die „ganze geschichtliche Wahrheit" also, soweit sie ein Gebäude vermitteln kann. Nicht zuletzt dieses Restaurierungskonzept macht Geschichte selbst noch nach so langer Zeit gerade auch für Kinder und Jugendliche aktuell und fassbar.
(HEM)


Synagoge Baisingen
Kaiserstraße 59 A
72108 Rottenburg am Neckar
Ortsteil Baisingen
Tel: (0 74 57) 93 13 01
(während der Öffnungszeiten)
Fax: (0 74 72) 1 65-39 2
museen@rottenburg.de
www.rottenburg.de
Stichwort: Stadtteile

Informationen:
Herr Hug,
Tel: (0 74 57) 18 26
Kulturamt,
Postfach 29
72101 Rottenburg am Neckar
Fax: (0 74 72) 1 65-35 1

Öffnungszeiten:
So 14-16
(und nach Vereinbarung)

  
 

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