Hälfte des Lebens an der Neckarfront

Der schmale Weg zwischen Tübingens berühmter Neckarfront und der Zwingermauer führt zum Hölderlinturm. Ist es eine Hommage an den „genius loci", dieses Graffitti:„der Hölderlin isch et veruckt gwä?".

Dieser Satz, den die Hölderlin-Gesellschaft bei allen Renovierungsarbeiten als ein Stück Rezeptionsgeschichte auf der Fassade erhalten ließ, weist auf ein Thema des literarischen Museums im Hölderlinturm hin: Erinnert wird in fünf Räumen an den weltberühmten Dichter Friedrich Hölderlin (1770-1843), der hier die Hälfte seines Lebens verbrachte. Er ist einer der meistübersetzten deutschsprachigen Dichter. Im ersten Raum wird anhand reproduzierter Briefe, Dokumente und Buchausgaben die Zeit Hölderlins als Stipendiat des Evangelischen Stifts dargestellt.
Eine zweite Abteilung befasst sich mit seinem tragischen Schicksal im medizinischen Betrieb seiner Zeit und mit seinem Aufenthalt im Haus am Neckar. Eine dritte Abteilung beschäftigt sich mit der Hölderlin-Rezeption von den Anfängen bis heute. Höchst eindrucksvoll ist das bis auf zwei Stühle unmöblierte „Hölderlin-Zimmer" im Obergeschoss des Rundturms. Lediglich vier Hölderlin-Gedichte wirken hier, umrahmt vom oft zauberhaften Licht, das über Neckar und Platanenallee hereinfällt, auf den Besucher. Eine vorbildliche Form der musealen Vermittlung literarischer Inhalte!
Besonderen Wert legt die Hölderlin-Gesellschaft, die auch das literarische Museum trägt und betreibt, auf ein „lebendiges" Dichter-Museum und auf eine Verlebendigung der Dichtung. Eine zentrale Rolle spielen dabei die vielen vom und im Haus veranstalteten Projekte. Gruppen, Schulklassen oder Studenten
können sich hier einen Tag oder mehrere Tage lang mit der Person und dem Werk Hölderlins befassen. Die Geschäftsführerin Valérie Lawitschka verfügt über jahrelange Erfahrung und kann entsprechende Themen anbieten. Wem die Teilnahme an einem solchen Projekt nicht möglich ist, dem sei eine der kompetenten und engagierten Führungen durch das Haus dringend ans Herz gelegt!
(WS)


Hölderlinturm
Bursagasse 6
72070 Tübingen
Die Dauerausstellung
aus dem Jahr 1985 wird
2005 erneuert.
Betreiber des Museums
ist die Hölderlin-Gesellschaft
(gegründet 1943, neu gegründet 1946/47)

Geschäftsführerin:
Valérie Lawitschka
Tel: (0 70 71) 2 20 40
info@hoelderlin-gesellschaft.de
www.hoelderlin-gesellschaft.de

Öffnungszeiten:
Di-Fr 10-12 und 15-17,
montags geschlossen
Sa, So und
Feiertage 14-17

Führungen:
Sa, So, Feiertage 17

Eintrittspreise:
2,50 € / 1,50 €

  
 

Museumsführer

Das 2005 erschienene Buch "AnsichtsSachen" macht Appetit auf Tübingens Museumsreichtum, vom international bedeutenden Universitätsmuseum auf Schloss Hohentübingen bis hin zum bezaubernden Tante-Emma-Laden in Rottenburg-Obernau.

Für diese Veröffentlichung hat der Verein KulturGUT im Landkreis Tübingen 53 Museumsbesichtigungen durchgeführt, davon 22 mit Gruppen von Kindern und Jugendlichen.

Die Aufmachung in Gestalt kleiner, appetitlicher Bild- und Texthappen lädt zum Schmöckern und Entdecken ein, der Wechsel der Blickwinkel zwischen Museumsmachern, älteren und jugendlichen Besuchern führt zu einer abwechslungsreichen Kost und gibt viele Anregungen zur Gestaltung von Familienausflügen. Das Buch ist im Buchhandel und bei der Verkaufsstelle des Schwäbischen Tagblatts erhältlich.

Museumserlebnistage