Verschlüsselte Heilsgeschichte

Das 1996 neu eröffnete Diözesanmuseum Rottenburg ist das größte kunsthistorische Museum des Landkreises Tübingen und seiner Nachbarkreise. Schon 1862 bestehend, ist es zugleich eines der ältesten Museen seiner Art in den Bistümern Deutschlands und eines der ältesten in Baden-Württemberg.

Diözesanmuseum Rottenburg: Bronzekruzifix

Die hier ausgestellte Bildwelt und ihre Bildsprache prägten und bestimmten etwa 1500 Jahre lang das Kunstschaffen des Abendlandes. Leitthemen des Museums sind die Heilsgeschichte sowie das Leben und Wirken der Heiligen. In dem umgebauten Kirchenraum, dessen Außenwände und Deckengewölbe 1735 entstanden, erwartet den Besucher zunächst eine hervorragende Sammlung spätgotischer Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts und der Plastik vom 12. bis 18. Jahrhundert. Unter den Plastiken ragt das Kruzifix von Amrichshausen hervor, es gilt als eine der besten erhaltenen romanischen Kleinplastiken in Metall überhaupt. Viele Exponate des Diözesanmuseums Rottenburg geben einen vorzüglichen Einblick in allgemeine kulturgeschichtliche Zusammenhänge und spiegeln entscheidende kulturgeschichtliche Entwicklungen. Sie leisten dies besonders eindrucksvoll und augenfällig, weil sie nicht zu den absoluten Meisterwerken ihrer Zeit zählen, sondern zum gehobenen Durchschnitt. Weil sie einerseits noch vorangehenden Traditionen verhaftet sind, zugleich aber andererseits schon das Neue in ihnen aufscheint, kommen in ihnen die Tendenzen des Wandels der Weltanschauung besonders markant zum Ausdruck, so etwa in dem Gemälde „Anbetung der Könige" aus der Zeit um 1492. Neben augenfälligen Schätzen verbergen sich in dem Museum weitere einzigartige Kostbarkeiten, etwa Messgewänder des 15./16. Jahrhunderts oder Altargeräte des Mittelalters. Auch Werke barocker Gold- und Silberschmiedekunst sowie Zeugnisse der Volksfrömmigkeit sind reichlich vertreten. Eher unauffällig, dabei jedoch vom Rang her weltweit einmalig, ist die Sammlung von Reliquiengläsern, die einen Einblick in die Geschichte der Reliquienverehrung, in Alltagskultur und Geschichte des Glases vom 2. bis 19. Jahrhundert bietet. Man sollte sich eine Führung durch Diözesankonservator Wolfgang Urban keineswegs entgehen lassen. Über seine Art der Kunstbetrachtung begeistert er für eine Bildwelt und Bildsprache, die sich heute nicht mehr von selbst erschließt. (WS)


Diözesanmuseum
Karmeliterstraße 9
72108 Rottenburg am Neckar
Tel: 07472/922-181
(Museumsleitung),
922-180 (Sekretariat),
922-182 (Information),
922-189 (Fax)
museum@bo.drs.de
www.rottenburg.de

Öffnungszeiten:
Di-Fr 14-17,
Sa 10-13 und 14-17,
So und Feiertag 11-17,
Mo geschlossen

Führungen nach Vereinbarung
Jährlich 3-5 Sonderausstellungen
zu kunst-, kultur- und
frömmigkeitsgeschichtlichen
Themen sowie Künstlern der Gegenwart

Eintrittspreise: (Stand 2010)
Erwachsene 3,50 €;
Schüler/Studenten/Rentner/Schwerbehinderte/
Gruppen ab 15 Personen 3 €;
Führung 35 €

  
 

Museumsführer

Das 2005 erschienene Buch "AnsichtsSachen" macht Appetit auf Tübingens Museumsreichtum, vom international bedeutenden Universitätsmuseum auf Schloss Hohentübingen bis hin zum bezaubernden Tante-Emma-Laden in Rottenburg-Obernau.

Für diese Veröffentlichung hat der Verein KulturGUT im Landkreis Tübingen 53 Museumsbesichtigungen durchgeführt, davon 22 mit Gruppen von Kindern und Jugendlichen.

Die Aufmachung in Gestalt kleiner, appetitlicher Bild- und Texthappen lädt zum Schmöckern und Entdecken ein, der Wechsel der Blickwinkel zwischen Museumsmachern, älteren und jugendlichen Besuchern führt zu einer abwechslungsreichen Kost und gibt viele Anregungen zur Gestaltung von Familienausflügen. Das Buch ist im Buchhandel und bei der Verkaufsstelle des Schwäbischen Tagblatts erhältlich.

Museumserlebnistage