Eröffnung der erinnerungskulturellen Ausstellung „Kurt Gerstein. Widerstand in SS-Uniform?“ mit einer Tübinger Vertiefung am Freitag, 8. November 2019 um 19 Uhr im Landratsamt Tübingen

Einer der bedrückendsten Augenzeugenberichte über den Massenmord an Jüdinnen und Juden im Namen des Deutschen Reiches wurde mit Tübinger Absenderangabe verfasst -  durch den Mediziner Kurt Gerstein (1905 bis 1945), der im Dienst des Hygiene-Instituts der Waffen-SS stand. Gerstein hatte in Tübingen Medizin studiert und hatte hier während des Zweiten Weltkriegs seinen Wohnsitz. Der Bericht, den er 1945 zusammenfasste, wurde berühmt, weil er darin als Augenzeuge den Gasmord an 6700 Menschen in einem Vernichtungslager detailliert schilderte. Zeitnah nach seiner Besichtigung von Vernichtungslagern informierte er noch 1942 den schwedischen Botschafter, den Vatikan und den niederländischen Widerstand, um den Massenmord ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen.

Der Schriftsteller Rolf Hochhuth hat Gersteins ambivalente Biografie in seinem dramatischen Schauspiel „Der Stellvertreter“ verarbeitet. Der Film dazu lief am vergangenen Sonntag auf arte.
Wie ist diese Persönlichkeit zwischen Täterschaft und Whistleblowing heute zu beurteilen? Dieser Frage geht die Ausstellung „Kurt Gerstein. Widerstand in SS-Uniform?“ des Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen und des Förderkreises Kurt Gerstein nach. Das Kreisarchiv Tübingen hat eine Komplementärausstellung mit Tübinger Bezügen erstellt und dabei Gersteins Bericht mit dem Konzept der narrativen Konstruktion interpretiert.
 
Landrat Joachim Walter eröffnet die Ausstellung um 18.30 Uhr in der Glashalle. Anschließend ordnet Professor Wolfgang Sannwald die narrativen Konstruktionen um die Biographie von Kurt Gerstein im Hinblick auf die Tübinger Bezüge ein. Jugendguides haben sich in einem Workshop mit der Biographie Gersteins auseinander gesetzt und diskutieren mit über die Ausstellung.
 
Das Landratsamt bietet ergänzend zur Ausstellung kostenfreie Führungen mit Jugendguides und dem Kreisarchiv zur Ausstellung an: Diese finden jeweils um 17:30 Uhr am 12.11, am 21.11, am 28.11, sowie am 3.12. 2019 in der Glashalle des Landratsamts Tübingen statt. Weitere Termine und Workshops mit Jugendguides zur Ausstellung können vereinbart werden. Anmeldung unter jugendguide@kreis-tuebingen.de. Die Ausstellung kann von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr in der Glashalle des Landratsamts Tübingen besichtigt werden.
 
Es ist sehr zu begrüßen, dass im Landkreis Tübingen zahlreiche Initiativen die Ereignisse der Reichspogromnacht (9./10. November 1938) in den Mittelpunkt von Gedenkveranstaltungen stellen. Diese Nacht war das offizielle Signal zum größten Völkermord in Europa.
 
Hierzu einige ausgewählte Daten:
Freitag, 8. November 2019, 14.00 Uhr, Geschwister-Scholl-Platz: „Ein Auftrag bis heute: Die historische Verantwortung der Eberhard Karls Universität Tübingen“. Kundgebung mit Redebeiträgen
Freitag, 8. November 2019, 18.00 Uhr, Eröffnung der Wanderausstellung „Zwangsarbeit in Tübingen“ im Stadtmuseum Tübingen (Die Ausstellung ist zu den normalen Öffnungszeiten im Stadtmuseum zu besichtigen)
Freitag, 8. November 2019, 19.00 Uhr, Eröffnung der Ausstellung „Kurt Gerstein. Widerstand in SS-Uniform?“ mit einer Tübinger Komplementärausstellung im Landratsamt Tübingen
Freitag, 8. November 2019, 19.30 Uhr, Autorenlesung: Prof. Dr. Wolfgang Benz „Gewalt im November 1938", Foyer Festhalle Rottenburg, Seebronner Str. 20
Samstag, 9. November 2019, 18.00 Uhr Gedenkstunde an die Pogromnacht beim Synagogenplatz, Gartenstrasse 33, Tübingen
Samstag, 9. November 2019, 19.00 Uhr, Gedenkstunde der ACK zur Erinnerung an die Reichspogromnacht in Tübingen in der Stiftskirche Tübingen

  
 

Landkreis Tübingen

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