Erinnerungskultur im Landratsamt: Filmpräsentation und Gespräch am Freitag, 17. Januar 2020, 18.30 Uhr. Regisseur Carl Svensson: „Aus Schweden kein Wort. Ein Diplomat und der Holocaust“

Am 20. August 1942 lernte der schwedische Gesandtschaftsrat Göran von Otter (1907-1988) im D-Zug von Warschau nach Berlin den SS-Offizier Kurt Gerstein kennen. Gerstein war damals in Tübingen gemeldet. Der Ingenieur und Mediziner stand seit 1941 im Dienst der Waffen-SS. Ein Auftrag führte ihn als SS-Offizier in Vernichtungslager der „Aktion Reinhardt“, wo er die Methoden des Massenmordes „optimieren“ sollte. Gerstein versuchte, Widerstand zu leisten, indem er als Whistleblower den Massenmord in den Gaskammern öffentlich machte.

So informierte er bei der Zugfahrt den schwedischen Diplomaten. Gerstein berichtete von der Ermordung hunderter deportierter Juden in Belzec, 1945 verfasste er schriftlich einen Bericht, der bis heute eine der bedrückendsten und detailreichsten Darstellungen zum Holocaust ist. Andererseits stellte er darin seine Widerstandshandlungen dar. Von Otter erzählte nach dem Krieg davon: „Ich bot ihm eine Zigarette an. Er dankte, gab Feuer und fragte im gleichen Atemzug, ob er mir eine schlimme Geschichte erzählen dürfe. ‚Geht es um die Juden?‘ ‚Ja, um die Juden, die im Osten umgebracht werden.‘ Gerstein war nur mit Mühe zu bewegen, leise zu sprechen. Er schluchzte und schlug die Hände vors Gesicht.“
 
Der schwedische Filmregisseur Carl Svensson geht in seinem Dokumentarfilm „Aus Schweden kein Wort. Ein Diplomat und der Holocaust“ (2017) dem Umgang der schwedischen Regierung mit diesen und ähnlichen Informationen nach.
 
Im Rahmen seiner erinnerungskulturellen Filmreihe zeigt das Landratsamt Tübingen den Film am Freitag, 17. Januar 2020 um 18.30 Uhr im Großen Sitzungssaal des Landratsamts.
Anschließend befassen sich Kreisarchivar Wolfgang Sannwald und Maximilian von Platen – ein Enkel Kurt Gersteins - im Gespräch mit dem Regisseur mit der erinnerungskulturellen Relevanz des Themas.
 
Der Film rahmt eine Ausstellung zu Kurt Gerstein, die das Landratsamt Tübingen noch bis 12. Februar 2020 in seiner Glashalle zeigt. Organisation: Wolfgang Sannwald und Maximilian von Platen in Kooperation mit den Französischen Filmtagen. Nähere Infos unter: www.kreis-tuebingen.de. Um Anmeldung unter kultur@kreis-tuebingen.de wird gebeten.
 
Im Vorfeld des Abends bieten Jugendguides und Kreisarchiv die Möglichkeit einer Führung durch die Ausstellung „Kurt Gerstein. Widerstand in SS-Uniform“. Treffpunkt ist um 17.30 Uhr in der Glashalle. Um Anmeldung hierzu wird unter jugendguide@kreis-tuebingen.de gebeten.
 
Sowohl der Filmabend als auch die Führung sind kostenfrei.

  
 

Landkreis Tübingen

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