„Kurt Gerstein – Ein zerrissener Charakter“ Tonaufnahmen aus dem SWR-Archiv über den SS-Mediziner Kurt Gerstein und seine Bewertung in der Erinnerungskultur am Donnerstag, 6. Februar 2020 ab 18 Uhr in der Glashalle des Landratsamts Tübingen

Ton-Zeugnisse über den SS-Mediziner und Whistleblower Kurt Gerstein bringen der Landkreis Tübingen und der Südwestrundfunk am Donnerstag, 6. Februar 2020 ab 18:00 Uhr in der Glashalle des Landratsamts Tübingen zur Aufführung. Der während des Zweiten Weltkriegs überwiegend mit Tübinger Wohnsitz gemeldete Kurt Gerstein stand seit 1941 im Dienst der Waffen-SS. Ein Auftrag führte ihn in Vernichtungslager, wo er die Methoden des Mordens „optimieren“ sollte. Gerstein versuchte als Whistleblower den Massenmord in den Gaskammern öffentlich zu machen. Sein Bericht, den er 1945 schriftlich fasste, ist heute eine der bedrückendsten und detailreichsten Darstellungen zum Holocaust.

Noch bis 12. Februar 2020 zeigt das Landratsamt zu dieser Person mehrere Ausstellungsteile in der Glashalle. Am 6. Februar wird SWR-Redakteur Thomas Hagenauer in ältere Tonaufnahmen einführen, die er über Kurt Gerstein im SWR–Archiv gefunden hat. Das wichtigste erinnerungskulturelle Dokument ist eine 45–minütige Sendung von 1969 mit dem Titel „Kurt Gerstein oder die Zwiespältigkeit des Guten“. Grundlage der Sendung ist das 1968 zunächst in Frankreich veröffentlichte Buch mit selbem Titel von Saul Friedländer.
 
Sodann wird ein Gespräch mit Hendrik van Dam eingespielt, der von 1950 bis 1973 Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland war, und der sich in diesem Beitrag zustimmend dazu äußert, dass Kurt Gerstein vom damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kurt Georg Kiesinger als „unbelastet“ eingestuft und damit postum rehabilitiert wurde. Schließlich ist ein Beitrag aus dem Jahr 2001 zu hören, als die Gerstein – Ausstellung erstmals in Tübingen gezeigt wurde und Costa Gavras` Film in die Kinos kam. Alle Tondokumente werden so in die Glashalle eingespielt, dass nebenbei die Ausstellung besichtigt werden kann. Bereits um 18 Uhr laden Kreisarchiv und Jugendguides zu einer kurzen Einführung in die Ausstellung ein. Ab 18:30 Uhr führt Thomas Hagenauer in die archivalischen Radiosendungen ein.

Um 19:30 Uhr schließt sich ein öffentliches Gespräch in der Ausstellung über Kurt Gerstein, die Vernichtungslager, das Whistleblowing und Tübingen mit Jugendguides, Thomas Hagenauer und Kreisarchivar Wolfgang Sannwald an.
 Die Veranstaltung ist kostenfrei, um Anmeldung unter kultur@kreis-tuebingen.de wird gebeten.

  
 

Landkreis Tübingen

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