Neun KünstlerInnen decken auf: Konstrukte der Ausgrenzung - KünstlerInnen-Gespräch am Donnerstag, 5. März 2020 um 18:30 Uhr im Landratsamt Tübingenaus Anlass der Ausstellung „Narrative Manipulationen“

Wie funktioniert Ausgrenzung? Mit der Frage haben sich neun Künstlerinnen und Künstler aus der Region auf Einladung des Landkreises Tübingen gestalterisch auseinandergesetzt. Am Donnerstag, 5. März 2020 unterhalten sie sich ab 18:30 Uhr in der Glashalle des Landratsamts mit Kreisarchivar Wolfgang Sannwald über die Dimensionen ihrer Arbeiten zum Thema. Ihre Werke zu „Narrativen Manipulationen“ sind noch bis zum 31. März 2020 auf der Galerie im Landratsamt Tübingen ausgestellt.

Was nehmen KünstlerInnen zu Themen wie Diskriminierung, Deportation und Ermordung von Juden, Sinti und Roma, Homosexueller und politisch Andersdenkender während des Nationalsozialismus in Deutschland und heutzutage weltweit wahr? Olga Sitner verwendet in ihrer Installation „Prometheus“ unter anderem den fadenscheinigen Anzug eines Technikers in einem russischen Atomreaktor. Sie ist in einer „Atom“-Stadt aufgewachsen und interessiert sich für das Verschweigen der Gefahren. Martin Maria Strohmayer greift mit „Vorwärts nimmer, Rückwärts immer“ eine Losung zum 40. Jahrestag der DDR auf und befasst sich mit der Anwendung populistischer Lügen-Instrumente bei der Mobilisierung von Menschenmengen. Uli Waiblinger verweist mit seinen Fotoarbeiten „Wer hat die Hoheit über die Geschichtsschreibung?“ auf den Völkermord an den Armenieren 1915 und dessen Leugnung bis in die Gegenwart: Als wären die Armenier entweder niemals da gewesen oder als hätten sie sich plötzlich in Luft aufgelöst. Marcus Hammerschmitt thematisiert „Die Verbesserung der Natur“ als Konstruktion voller Lügen. Sein Motto: Wenn wir schon sehen müssen, müssen wir dabei ja nicht blöd sein. Claudia Emrichs „Der Löwe Juda“ nimmt unmittelbar auf diffamierende Erzählungen über Juden Bezug. Jürgen Klugmanns „Befund 2666“ arbeitet mit einem Eiche-Balken, der unter dem heutigen Tübinger Stadtmuseum archäologisch ergraben wurde.
 
Das zum Druckstock umgearbeitete Relikt hat er mit Farbe und einer eigenen Fachterminologie angereichert, die ironische Distanz zu Wissenschaftlichkeit und Exaktheit schaffen. Peter Krullis hält in seiner Fotomontage „Immer schön völkisch bleiben - oder die Spaltung der Gesellschaft“ Parolen rechtsextremer Politik vor Augen. In Lissi Maier-Rapaports „Lügennetz“ hat sich Kommunikations-Treibgut verfangen. Viki Semou setzt sich mit Isolationshaft und RAF-Terrorismus auseinander.
Die Ausstellung „Manipulative Narrationen“ ist noch bis 31. März 2020 auf der Galerie in der Glashalle des Landratsamts Tübingen, Wilhelm-Keil-Straße 50, zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr.
 
Die Veranstaltung am 5. März 2020 ist kostenfrei, um Anmeldung unter kultur@kreis-tuebingen.de wird gebeten.

  
 

Landkreis Tübingen

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