Verleihung des Lilli-Zapf-Jugendpreises 2021 und Zertifizierung der Jugendguides

Trotz der besonderen Umstände hat der Landkreis Tübingen auch dieses Jahr am Holocaust-Gedenktag (27. Januar) wieder den Lilli-Zapf-Jugendpreis verliehen. Der Preis zielt auf besonderes Engagement und couragiertes Handeln in der Erinnerungskultur, für Demokratie und Menschenrechte. Die Preisverleihung, in deren Rahmen auch die im vergangenen Jahr vom Landkreis und von KulturGUT e.V. ausgebildeten Jugendguides zertifiziert wurden, fand als Online-Veranstaltung statt. Vergeben wurden zwei erste Plätze und ein zweiter Platz.

Die Corona-Pandemie und der virtuelle Raum habe bei der Suche nach Kandidat*innen für den Preis eine große Rolle gespielt, so Kreisarchivar Dr. Wolfgang Sannwald, der die Veranstaltung moderierte. So wurden dieses Jahr Projekte prämiert, die sich in der Erinnerungskultur engagieren und junges Publikum ansprechen.
 
Über die Vergabe des Lilli-Zapf-Preises entschied eine Jury, die sich aus der Jugendvertretung der Städte Rottenburg am Neckar und Mössingen, dem Jugendgemeinderat der Universitätsstadt Tübingen sowie Jugendguides zusammensetzte. Die Juror*innen hatten im Vorfeld Kriterien festgelegt, nach denen das Preisgeld von insgesamt 1000 Euro vergeben wurde. Ein erster Platz ging an die diesjährige virtuelle Ausgabe des Formats „Kennen Sie Tübingen?“ des Kulturamts der Universitätsstadt Tübingen. Da unter Pandemiebedingungen keine Führungen vor Ort möglich waren, wurden unter dem Motto „75 Jahre Kriegsende“ insgesamt in fünf Videos  „Tübinger Unterwelten“ aufgezeichnet und im Internet gestreamt. Die Videos zeigten zwei erhaltene Luftschutzanlagen, den „Himmelwerk“-Stollen in der Südstadt und Schutzräume unter dem ehemaligen Versorgungskrankenhaus auf dem Sand. Kulturamtsleiterin Dagmar Waizenegger nahm den Preis entgegen: „Wir konnten auf diese Weise Orte in Tübingen zeigen, die sonst nicht zugänglich sind – und über das Online-Format ein neues, junges Publikum erreichen.“ Das Preisgeld soll in ein Projekt mit Jugendlichen zur Lokalgeschichte der Partnerstadt Petrosawodsk in Russland fließen. Die Videos sind weiterhin auf YouTube unter dem Suchbegriff „Kennen Sie Tübingen?“ verfügbar.
 
Ebenfalls auf dem ersten Platz sah die Jugendjury das Rechercheprojekt des Lern- und Dokumentationszentrums zum Nationalsozialismus e.V. zu Tübinger NS-Akteuren von 1933-1945. Ehrenamtliche Autor*innen recherchierten Biographien zu NS-Tätern, aber auch Profiteuren und Mitläufern des Systems. Die Ergebnisse werden verständlich und zeitgemäß auf der Internetseite https://www.ns-akteure-in-tuebingen.de präsentiert. Mit dem Preisgeld möchte der Verein weitere virtuelle Angebote aufbauen.
 
Der zweite Platz ging an den virtuellen Stadtgang „Die Franzosen in Tübingen 1945-1991“, der Routen im Stadtgebiet zur Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg erschließt. Erarbeitet wurde der Stadtgang in einem Seminar von Studierenden der Universität Tübingen unter Leitung von Johannes Großmann vom Seminar für Zeitgeschichte und dem ehemaligen Leiter des institut culturel franco-allemand, Mathieu Osmont. Der Stadtgang steht in Form von QR-Codes an den einzelnen Stationen oder unter http://franzosen-tuebingen.de zur Verfügung. Das Preisgeld soll für technische Updates der Homepage verwendet werden, um technisch auf den neuesten Stand zu kommen.
 
Weiterer Programmpunkt der Onlineveranstaltung war die Zertifizierung von 25 Jugendguides – Jugendliche und junge Erwachsene, die Gruppen zu Erinnerungsorten begleiten oder einzelne Aspekte des Nationalsozialismus, insbesondere Zusammenhänge zu NS-Verbrechen, bei Stadtgängen vor Ort herstellen. Auch ihre Qualifizierung im vergangenen Jahr musste coronabedingt weitgehend online stattfinden. Doch dies tat dem Interesse und Engagement der TeilnehmerInnen keinen Abbruch. Ihre Zertifikate hatten die Jugendguides zuvor bereits erhalten und konnten die Umschläge live in der Videokonferenz öffnen.
 
Seit 2012 qualifizieren der Landkreis Tübingen und seine Partner jährlich 20 bis 30 Jugendliche in außerschulischen Seminaren und Workshops von insgesamt etwa 40 Stunden Dauer als Jugendguides. Auch in diesem Jahr können sich interessierte junge Menschen als Jugendguide qualifizieren – nähere Informationen unter www.jugendguides.de.

  
 

Landkreis Tübingen

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