Fürsten und Steinmänner im "Stelenland"

Stein-Stele
Stein-Stele

Im Landkreis Tübingen haben Menschen der Eisenzeit besonders eindrückliche Spuren hinterlassen. Antike Schriftsteller nannten die damaligen Bewohner Südwestdeutschlands, deren Verwandte auch in Ostfrankreich und der Nordschweiz siedelten, „Kelten".

Archäologen untergliedern deren Kulturepoche in zwei Abschnitte, die Hallstattzeit (750 bis 450 v. Chr.) und die anschließende La-Tène-Zeit (bis 85 n. Chr.).

Hallstatt ist ein Ort in Österreich, an dem man besonders eindrucksvolle Zeugnisse dieser Kulturepoche gefunden hat. Der Fundort La-Tène liegt in der Schweiz. Beide Perioden hinterließen auch im Tübinger Umland augenfällige Zeugnisse: Die Hallstattzeit rund 300 Grabhügel, die La-Tène-Zeit drei markante Viereckschanzen beim Einsiedel, bei Belsen sowie auf dem Betzenberg bei Dettenhausen.

Die ausgeprägte soziale Hierarchie der Kelten zeigt sich an der Ausstattung ihrer Gräber. Unter den zahlreichen Beigaben der Grabhügel auf dem „Eichbuckel" in Dußlingen und auf dem „Bühl" in Baisingen fanden Archäologen breite Halsringe aus Goldblech, die als fürstliches Würdesymbol gelten. Reste von vierrädrigen Wagen in zwei Grabhügeln auf der „Waldhäuser Höhe" bei Tübingen lassen sich ebenfalls als Zeichen für den Rang eines Hallstattfürsten deuten. Äußerlich sichtbar setzten Kelten ihren Toten nicht nur durch markante Hügel ein Andenken, sondern mitunter auch in Gestalt hoch aufragender Grabmale aus Stein, in die sie menschliche Gesichtszüge und geheimnisvolle Ornamente eingravierten.

Im Kreis Tübingen ist eine auffällig hohe Anzahl solcher hallstattzeitlicher Stelen ans Licht gekommen: Die älteste ist die aus Gomaringen-Stockach. Nur unwesentlich jünger sind eine aus Rottenburg und zwei Bruchstücke aus Kilchberg (8./7. Jh. v. Chr.). Die Stele auf dem rekonstruierten Grabhügel von Kilchberg ist hingegen deutlich jünger (6. Jh. v. Chr.). Dank seines ungewöhnlichen Reichtums an Stelenfunden wurde der Kreis Tübingen wiederholt als „Stelenprovinz" bezeichnet. Allerdings bildeten die behauenen Steine während der Eisenzeit kein spezifisches Merkmal dieser Region. Vielmehr erhielten sich die hiesigen Stelen beispielsweise im weichen Schlemmlehm der Neckarauen nur besonders gut.

  
 

Ehemalige Landräte

Eine Übersicht aller bisherigen Landräte des Landkreises Tübingen von 1809 bis heute

Geschichtszüge

Den Band "Geschichtszüge. Zwischen Schönbuch, Gäu und Alb: Der Landkreis Tübingen" hat der Landkreis Tübingen erstmals 2002 herausgegeben, 2006 erschien die vierte Auflage. Der Hauptautor und Kreisarchivar Dr. Wolfgang Sannwald führt darin kurzweilig an die wesentlichen historischen Strukturen im Kreisgebiet heran. Das Buch erschließt in Text und Bild eine Fülle von Ausflugszielen im Landkreis Tübingen, an denen Geschichte zum Vorschein kommt. Auf dieser Seite bieten wir Ihnen Auszüge aus diesem Buch.

Titel des Buches mit der Beschriftung "Geschichtszüge", eingefügt in ein Landschaftsbild und weitere geschichtliche Beispielbilder