Behördenzentrum Mühlbachäcker

Auf den Mühlbachäckern wuchs seinerzeit das Behördenzentrum Tübingens. Vor allem seit dem Bau des Schloßbergtunnels (1979) galt dieses Baugebiet als „durchaus zentral“. Nach und nach haben sich dort mit dem ehemaligen Polizeipräsidium (1976), der Polizeidirektion, der Außenstelle des Arbeitsamtes Reutlingen (1982) und dem Regierungspräsidium (1990) wichtige Behörden konzentriert.
Der frühe Zweifel am Standort Bismarckstraße bestätigte sich. Weil die Aufgaben der Kreisverwaltung weiter zunahmen, fehlte es bald wieder an Büroflächen und die Zahl der Außenstellen stieg erneut. Deshalb blieb das Thema „Neubau“ auf der Tagesordnung und der Kreistag erteilte 1987 den Auftrag, eine Konzeption zur räumlichen Zusammenfassung der Verwaltung zu erarbeiten. Der Standort Mühlbachäcker blieb dabei zwei Jahrzehnte lang favorisiert. Nur relativ kurzzeitig, 1987 und 2000, spielte die Thiepval-Kaserne als Alternative eine Rolle. Aufgrund der klammen finanziellen Situation des Landkreises scheiterte die Kreisverwaltung bei zwei Anläufen 1991 und 2000, das Neubau-Projekt zu verwirklichen. Erst, als die Altbauten in der Doblerstraße unausweichlich sanierungsbedürftig waren und die Eingliederung von Sonderbehörden die Situation weiter verschärfte, verschoben sich die Gewichte.
Ein Gutachten ergab, dass ein Neubau langfristig die wirtschaftlichere Lösung ist, zumal in der Doblerstraße und Bismarckstraße die gesamte Kreisverwaltung sowieso nicht untergebracht werden konnte. Schließlich fasste der Kreistag am 14.2.2001 den Beschluß, ein neues Verwaltungsgebäude für 430 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Mühlbachäckern zu planen. Der Gesamtkostenrahmen für den Neubau lag bei 34 Millionen Euro. Noch im November 2003 begannen die Bauarbeiten. Letztlich hatte der Landkreis Tübingen mit seinem Baubeschluß 2003 eine glückliche Hand. Fiel der Neubau doch in eine Zeit, als das Land durch die fortgesetzte Verwaltungsreform dem Landkreis weitere Aufgaben übertrug.
Mit dem Eintreten der Verwaltungsreform am 1.1.2005 nahm die Zahl der Stellen des Landratsamtes um etwa 60 Prozent (217) auf 578 zu. Nun erwies das flexible Raumkonzept mit 18 Quadratmeter großen Büros seine Zukunftsfähigkeit: auch viele der neu hinzukommenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten im neuen Gebäude untergebracht werden, indem viele Beschäftigte zusammen rückten und sich ein Büro teilen. Lediglich zwei weitere Standorte blieben erhalten: die Kreisforstverwaltung in Rottenburg und das Verwaltungsgebäude in der Bismarckstraße. Die Übernahme eingegliederter Behördenteile durch die Verwaltungsreform erleichterte zudem die Finanzierung des neuen Verwaltungsgebäudes, da das Land für die Unterbringung einen finanziellen Ausgleich leistet.