Aus der Geschichte des Landkreises

Wasser, die treibende Kraft

Fließendes Wasser wird schon seit Jahrhunderten als Energielieferant genutzt. Bereits die Römer brachten die Technik der Wassermühlen in die Provinzen nördlich der Alpen. Vom lateinischen Wort „mola" leitet sich das deutsche Mühle ab. Spricht man allgemein von Mühlen, so sind meist Getreidemühlen gemeint. Ihnen kam bei der Erschließung der Nährstoffe im Getreide eine entscheidende Rolle zu.

An jedem größeren Bach im Kreisgebiet standen einst und am frühesten Getreidemühlen. Für das Alter der Getreidemühlen spricht in der Regel die Kürze ihres Mühlkanals: Der Müller, der als erster kam, konnte sich noch den günstigsten Platz aussuchen und wählte deshalb einen Gewässerabschnitt, an dem er mit dem kürzesten Kanal das Wasser in ausreichender Fallhöhe auf sein Wasserrad lenken konnte. Betreiber von Mühlen, die erst später die Wasserkraft nutzen wollten, mussten meist längere Kanäle graben, um die nötige Fallhöhe zu erreichen.

Mancherorts wie in Bodelshausen oder Mössingen-Öschingen legten die Müller einen Mühlweiher an, dessen Volumen bei Wasserknappheit als Kraftreserve genutzt werden konnte.

Zwei Mühlräder an einem kleineren Wasserlauf bei einem hohen Gebäude
Mühlräder der ehemaligen Lohmühle (li.) und Gerstenmühle (re.) am Ammerkanal in der Tübinger Gerstenmühlstraße

Christliche Mönche spielten für die Verbreitung der Wassermühlen eine wichtige Rolle. Bestimmte doch die Regel des Heiligen Benedikt, dass innerhalb jeden Klosters auch eine Mühle sein solle: „So sind die Mönche nicht genötigt, draußen herumzulaufen, das ist nämlich für ihre Seele durchaus nicht gut." Vor allem die Wasserbautechniker der Zisterzienser nutzten die Wasserkraft als Energiequelle.

Manchen Grundherren flossen nicht nur über Frondienste und Abgaben Leistungen und Geld zu, sondern auch über den Mühlbann. Dieser zwang die Bauern bis ins 19. Jahrhundert, ihr Korn in einer der herrschaftlichen Mühlen mahlen zu lassen, natürlich gegen entsprechende Abgaben. Nur, wenn die Mühle infolge Wassermangels still stand, durften die Bauern ausweichen. An der Steinlach geschah dies öfter. Dann mahlten die Mössinger und Belsener Bauern ihr Korn in Gönningen oder Pfullingen.

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