Klimawandel verlängert Pollensaison – steigende Belastung für Menschen mit Heuschnupfen
Der Klimawandel hat spürbare Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen – auch im Landkreis Tübingen. Neben zunehmender Belastung durch Hitze zeigt sich dies deutlich auch bei Allergien gegen Pollen, die umgangssprachlich als Heuschnupfen und medizinisch meist als Rhinokonjunktivitis bezeichnet werden. Typische Beschwerden sind eine laufende oder verstopfte Nase sowie gerötete und juckende Augen.
Fachleute beobachten seit einigen Jahren, dass sich Beginn, Dauer und Intensität der Pollensaison verändern und die Belastung für viele Betroffene steigt. Deshalb gibt das Gesundheitsamt Tübingen Tipps für den Alltag und informiert über Behandlungsmöglichkeiten.
Was können Betroffene tun?
Im Alltag können Betroffene einiges tun, um ihre Belastung zu reduzieren. Dazu gehört beispielsweise, sich bei starker Pollenbelastung möglichst wenig im Freien aufzuhalten und die Pollenkonzentration in Innenräumen gering zu halten (z.B. durch Pollenschutzgitter, Wechsel der draußen getragenen Kleidung und feuchtes Wischen). Wenn bekannt ist, welche Pflanzen für die eigene Allergie verantwortlich sind, kann der tagesaktuelle Pollenflug gezielt verfolgt werden.
Bei anhaltenden Beschwerden empfiehlt das Gesundheitsamt Tübingen zudem, ärztlichen Rat einzuholen. Eine frühzeitige und leitliniengerechte Behandlung ist wichtig, da die Erkrankung unbehandelt in manchen Fällen zu allergischem Asthma und anderen Komplikationen führen kann. Neben verschiedenen Medikamenten zur Linderung der Symptome gibt es je nach Ergebnis des Allergietests in vielen Fällen auch die Möglichkeit einer sogenannten ‚Hyposensibilisierung‘. Dabei soll das Immunsystem schrittweise an die allergieauslösenden Pollen gewöhnt werden. Erste Ansprechpersonen bei Beschwerden sind in der Regel Haus- oder Kinderärzt:innen. Bei Bedarf kann eine Überweisung zu spezialisierten Fachärzt:innen erfolgen.
Einfluss des Klimawandels auf die Pollensaison
Pollen wirken nicht nur für sich, sondern in Wechselwirkung mit Klimawandel und Luftqualität auf die menschliche Gesundheit. Mildere Winter und höhere Temperaturen im Frühjahr führen dazu, dass Pflanzen früher blühen. Gleichzeitig verlängert sich die Pollensaison häufig bis in den Herbst hinein. Für Menschen mit Pollenallergien bedeutet dies eine längere und höhere Belastung im Jahresverlauf.
Hinzu kommt, dass sich durch Klimawandel und Globalisierung Pflanzenarten in neuen Regionen ausbreiten können. Ein Beispiel ist die aus Nordamerika stammende Ambrosia (Beifußblättriges Traubenkraut), deren Pollen als besonders allergieauslösend gelten. Auch in Baden-Württemberg werden mittlerweile regelmäßig Bestände dieser Pflanze gefunden. Bürgerinnen und Bürger werden daher gebeten, mögliche Funde an das Landratsamt Tübingen zu melden (landwirtschaft@kreis-tuebingen.de oder Tel. 07071 207-4004), damit die Ausbreitung eingedämmt werden kann. Zur Beseitigung sind die einzelnen Pflanzen mit den Wurzeln auszureißen.
Es wird empfohlen, dabei ausreichend lange, dichte Handschuhe zu tragen, bei größeren, blühenden Beständen zusätzlich auch Feinstaubmasken. Entsorgt werden die Pflanzen entweder über die Biotonne oder in einer Plastiktüte verschlossen über den Hausmüll (auf keinen Fall auf den Hausgartenkompost). Da die Samen lange keimfähig bleiben, ist eine Kontrolle in den Folgejahren erforderlich. Ambrosia-Samen kann auch über Vogelfutter in den Garten gelangen. Daher sollte auf Produkte mit dem Hinweis „Ambrosia-kontrolliert“ oder „gereinigt“ geachtet werden.
Luftschadstoffe wie Stickoxide oder Ozon, die ebenfalls in Wechselwirkung mit dem Klimawandel stehen, können das allergieauslösende Potential von Pollen verstärken. Maßnahmen zur Luftreinhaltung (z.B. im Straßenverkehr oder beim Heizen) können sich daher positiv für Betroffene auswirken. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels wird das Thema Allergien und Pollenbelastung auch künftig eine wichtige Rolle für die Bevölkerung des Landkreises spielen.
Weitere Informationen
- Allergieschutz
Klima-Mensch-Gesundheit - Ambrosia-Pflanzenmaterial
Abfallwirtschaftsbetrieb Landkreis Tübingen