Biodiversität im Haus- und Kleingarten
Beschreibung
Zur Stärkung der Biodiversität kann jeder Mensch einen Beitrag leisten. Unsere Ökosysteme sind Lebensgrundlage für die heimische Flora und Fauna. Gerade im Bereich der Hausgärten gilt es, strukturverarmte Flächen aufzuwerten und Biotope stärker zu vernetzten. So kann beispielsweise die Bepflanzung von Balkonkästen nicht nur für ein schönes Ambiente sorgen, sondern gleichzeitig Lebensraum und Nahrung für Wildbienen sein.
In den Jahren 2021 bis 2025 wurden über den für diese Zeit angelegten Aktionsplan „Blühender Kreis Tübingen“ viele Maßnahmen und Aktionen umgesetzt, die zur Erreichung des gesetzten Ziels beitragen und die Bevölkerung für die Erhaltung der Biodiversität sensibilisieren und zum Mitmachen animieren soll.
Der Aktionsplan endete zum Jahresende 2025 – die Ziele bleiben jedoch bestehen.
Infomaterial und abgeschlossene Aktionen
Mehr Artenvielfalt auf Industrie- und Gewerbeflächen
In Baden-Württemberg gab es 2019 ca. 74.000 Hektar Industrie- und Gewerbefläche. Das entspricht rund 14 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfläche im Land. Diese meist großflächigen Industriegebiete stellen für viele Tiere und Pflanzenarten in der Regel unüberwindbare Barrieren dar. Doch auch diese Areale bieten ein großes Potenzial für den Artenschutz: Sie können zu Lebensräumen für Insekten, Vögel, Amphibien und viele Pflanzen werden – und damit zu ökologisch wertvollen Trittsteinen in Städten und Gemeinden.
Ob Autohaus oder Gastronomiebetrieb, Logistikzentren oder Golfclubs: Alle können sich für mehr Artenvielfalt auf ihrem Betriebsgelände einsetzen. Im Siedlungsraum bilden mehrjährige Blühflächen, heimische Stauden, Hecken und Bäume wertvolle Lebensräume. Wildbienen, Vögel und viele weitere Arten finden dort Nahrung und Unterschlupf. Eine naturnahe Umgestaltung von Flächen stärkt die Artenvielfalt und bringt Vorteile für das Unternehmen:
- Blühende Stauden und Wildkräuterbeete überraschen und sprechen Kundinnen, Kunden, Geschäftspartner/-innen, Mitarbeiter/-innen und die Öffentlichkeit mit natürlicher Schönheit an.
- Mehrjährige Blühflächen bringen Struktur und Farbe ins Gelände und bieten damit einen reich gedeckten Tisch für viele Insektenarten.
- Ein Wechsel von Rasenflächen zu artenreichen Wiesen unterstützt viele Tier- und Pflanzenarten. Durch eine seltenere Mahd können langfristig Zeit- und Kostenaufwand reduziert werden.
- Heimische Hecken und Bäume spenden in heißen Sommern Schatten und haben somit einen direkten Einfluss auf das Mikroklima in Städten und Gemeinden.
- Mitarbeitende finden in naturnah gestalteten Pausenbereichen Entspannung in der Natur.
- Mit insektenfreundlicher Außenbeleuchtung tragen Firmen nicht nur aktiv zum Artenschutz bei sondern können auch ihre Stromkosten reduzieren.
Milpa-Challenge – Gärtnern auf kleinstem Raum
Viele Gartenbesitzer möchten gern einen naturnahen Nutzgarten anlegen, um gesundes und schadstofffreies Gemüse zu ziehen. Meist ist der Platz jedoch begrenzt, sodass nur eine kleine eigene Ernte zu erwarten ist – es sei denn, man kombiniert Pflanzen miteinander, die sich gegenseitig unterstützen, wie zum Beispiel Mais, Bohnen und Kürbis. Dass sich die drei Gemüsepflanzen auf kleinem Raum optimal ergänzen, haben schon die Ureinwohner Mittel- und Südamerikas entdeckt – sie setzten die “drei Schwestern” zusammen in ein Beet. Oft hört man auch den Namen Mayabeet oder Aztekenbeet. Wie diese Art der Mischkultur im eigenen Garten gelingt, erfährst du hier.
Eine Mischkultur mit Mais, Bohnen und Kürbis In Zentral- und Südamerika wird neben dem Haus oft ein kleines Feld angelegt, welches man Milpa nennt. Darauf pflanzt man besonders gern Mais, rankende Bohnen und Kürbisse, die zusammen gleich dreifache Erträge liefern. Die drei Nutzpflanzen beanspruchen verschiedene Nährstoffe und “Etagen” im Beet, daher kommen sie sich auch auf engem Raum nicht in die Quere. Der Mais dient den Bohnen als Rankhilfe. Die Bohnen produzieren Stickstoff, von dem Mais und Kürbis profitieren. Am Boden kann sich der Kürbis breitmachen, der mit seinen großen Blättern den Boden beschattet und so Austrocknung des Bodens und Wachstum von Beikräutern verringert.
Milpa-Beet anlegen
Damit dein Milpa-Beet ein Erfolg wird, benötigst du ein sonniges Plätzchen von mindestens 1,50 x 2,50 Metern. Auf dieser Fläche kannst du zwei Reihen mit Mais und Bohnen säen und zwei Kürbispflanzen dazwischensetzen. Bei genügend Platz und für eine noch größere Ernte kann das Beet natürlich beliebig erweitert werden.Wir haben uns für einen Mais entschieden, der hoch und kräftig wächst, damit er seine Aufgabe als Rankhilfe erfüllen kann. Bei den Stangenbohnen haben wir mittelstark wachsende Sorten gewählt. Buschbohnen eigenen sich nicht. Butternut, Hokkaido oder Muskatkürbis sind geeignete Kürbissorten, Zucchini ist ebenfalls möglich.So gehst du vor, um eine Milpa anzulegen:
- Im besten Fall ist dein Beet von Gras und anderen Gewächsen befreit, wenn du dich daran machst dein Milpabeet anzulegen. Man kann Nährstoffreicher Humus ist von Vorteil – wenn nötig, kann jetzt reife Komposterde untergehoben werden.
- Nach den letzten Frösten im Mai die vorgezogenen Mais-Setzlinge auspflanzen – ein Pflanzenabstand von etwa 40 Zentimetern und ein Reihenabstand von 60 bis 80 Zentimetern sind empfehlenswert.
- Bei Pflanzen des Mais können die Samen der Kürbisse/Zucchini direkt in die Erde gelegt werden. Vorgezogene Kürbispflanzen/Zucchinipflanzen können ebenfalls in die Erde.
- Der Mais sollte eine Größe von mindestens 40 Zentimetern erreicht haben, dann können die Bohnen direkt um den Mais herum gelegt werden. In zehn Zentimetern Abstand zu den Maispflanzen jeweils vier bis sechs Bohnen in den Boden legen.
- Die Bohnen pikieren, sobald sie etwa 15 Zentimeter groß sind, aber bevor sie am Mais emporranken: Pro Maispflanze die zwei bis drei kräftigsten Bohnen stehen lassen und die Triebspitzen bei Bedarf um die Maispflanzen legen. Ein Ausdünnen der Bohnen ist wichtig, da sechs Bohnenpflanzen eine Maispflanze zu sehr schwächen würden.
Blütenpracht mit Zwiebelblühern
Im Herbst schon an das Frühjahr denken – denn im Herbst ist die richtige Zeit, um Zwiebeln für Krokusse, Tulpen, Narzissen, Sternblumen, Schneeglöckchen und Schachbrettblumen zu stecken, damit es im Frühling in den schönsten Farben blüht.
Die ersten Wildbienen erscheinen oft schon im Februar und erfreuen sich an den Nahrungsquellen, welche die Zwiebelblüher für sie darstellen. Auch Zwiebeln für später blühende Pflanzen wie Zierlauch, Prärie-Lilien und Steppenkerzen kommen bereits im Herbst in den Boden.
Infomaterial, Download
Der Aktionsplan „Blühender Kreis Tübingen“ ist eine Mitmachkampagne mit dem Ziel, Ökosysteme als Lebensgrundlage für die heimische Fauna und Flora zu erhalten und weiterzuentwickeln. Ein Maßnahmenplan soll mit verschiedenen Aktionen die Bevölkerung für die Erhaltung der Biodiversität sensibilisieren und zum Mitmachen animieren.
Blühende Vielfalt im Vorgarten und auf dem Balkon
Saatgut bestellen und Teil der Blühkampagne werden (Hinweis: Aktionszeitraum 2022, es sind keine Saatgutbestellungen mehr möglich)
Mitmachen können alle Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Tübingen.
Die Blühkampagne möchte Anreize für eine klimafreundliche Gestaltung von Vorgärten und Balkonen schaffen.
Infos zur Aussaat
Oasen für die Natur
Vorgärten und Balkone sind nicht nur die Visitenkarte des Hauses, sondern auch kleine Oasen in unseren Städten und Dörfern, die Menschen und Tieren eine besondere Lebensqualität bieten. Außerdem helfen sie, die Luft zu verbessern, die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu dämpfen und tragen in vielfacher Hinsicht zum Natur- und Artenschutz bei.
Fruchtbare und lebendige Böden gelten als Basis für ein intaktes Ökosystem.
Gut durchwurzelte Böden reduzieren das Hochwasserrisiko bei Starkregenereignissen und speichern schädliche Treibhausgase die den Klimawandel verursachen. Unsere Sommer werden länger und heißer; die Luft in den Städten und Dörfern erhitzt sich schneller. Pflanzen geben über die Verdunstung Feuchtigkeit ab, so dass an warmen Tagen ein kühlender Effekt entsteht, der sich auch positiv auf das Mikroklima auswirkt und die Luftqualität verbessert.
Insekten wie Schmetterlinge und Wildbienen, aber auch Igel, Vögel und Fledermäuse manchmal sogar Eidechsen in den verschiedenen Strukturen eines Naturvorgartens Unterschlupf und Nahrung.
Diese wirken sich wiederum positiv auf die Gesundheit des Gartens aus. Fledermäuse beispielsweise ernähren sich von Mücken und können so helfen, Sommernächte wesentlich angenehmer zu machen.
Mit Faulbäumen Schmetterlinge „pflanzen“
Der Faulbaum ist die Hauptnahrungspflanzen der Raupen des Zitronenfalters. Wer einen Faulbaum im Garten pflanzt, der bietet dieser schönen Schmetterlingsart einen Lebensraum.
Machen Sie es den 21 Schulen aus dem Landkreis, die am Projekt teilgenommen haben, nach, pflanzen Sie einen Faulbaum auf Ihrem Grundstück und leisten Sie so einen Beitrag gegen das Artensterben. Denn neben Wildbienen und Hummeln nimmt auch die Anzahl unserer heimischen Falterarten wie der Zitronenfalter ab und viele sind vom Aussterben bedroht. Gründe, warum so viele Schmetterlingsarten auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten stehen ist unter anderem der Klimawandel und die schwindende Biodiversität von Pflanzen.
Steinkauzprojekt – Infos zum Steinkauz und Nisthilfen
Steinkauz – eine Leitart der Streuobstwiese
Der Steinkauz war bis Anfang der 1960er Jahre ein weit verbreiteter Brutvogel in Baden-Württemberg. Der Bestand hat über die Jahrzehnte stark abgenommen, auch im Kreis Tübingen. Ursache hierfür war und ist die Zerstörung seines Lebensraumes – Streuobstwiesen mit alten, höhlenreichen Bäumen, in denen er seine Jungen aufziehen und einen sicheren Lebensraum auch in der kalten Jahreszeit finden kann.
Hier finden Sie Informationen zum Projekt und wie Sie unterstützen können
Tomatenanbau mit Nützlingen
Mehr Biodiversität im Landkreis und dabei auch noch Gemüse ernten – das war das Ziel der im Mai 2021 gestarteten „Tomatenchallenge“ im Rahmen unserer Aktion „Blühender Kreis Tübingen“. Dafür haben wir Hobbygärtnerinnen und -gärtner aus dem Landkreis gesucht, die bis zum Ende der Erntezeit fotografisch die Entwicklung ihrer Tomatenpflanzen festhalten sollten. Als Anreiz für die schönsten Dokumentationen lockten allerlei gärtnerische Preise für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Infos zum Tomatenanbau
Tomatenchallenge: Berichte von Teilnehmenden
Rund um das Beerenobst
Nisthilfen für Vögel
Vögel sind in die Ökosysteme eingebunden; sie sind für die Samenverbreitung unverzichtbar. Meisen und andere Singvögel brüten und schlafen in Nistkästen. Das Tier frisst die Frucht und scheidet sie an einer anderen Stelle wieder aus. So wird beispielsweise der Eichelhäher als „Saatmeister des Waldes“ bezeichnet. Er ist einer der wenigen Vögel, der sich von Eicheln ernährt, deshalb spielt er eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung der Eiche. Bei der Verbreitung der Eberesche ist dagegen die Drossel unverzichtbar. Blaumeisen können z.B. als Bestäuber von bestimmten Pflanzen eine Rolle spielen und die Kohlmeise ist ein Nützling in der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners.
Wann und wo können Nistkästen angebracht werden?
Für das Anbringen der Nistkästen ist das beginnende Frühjahr die optimale Zeit, sie können aber das ganze Jahr über aufgehängt werden.
Weitere Informationen
Kontakt
Allgemeine Sprechzeiten
Beratung nach telefonischer Vereinbarung





