Social-Media-Challenges

Wie Eltern ihre Kinder im Netz schützen und begleiten können

Immer wieder erscheinen neue Schlagzeilen über gefährliche Internettrends, wie beispielsweise Challenges. Dies kann bei Eltern den Impuls hervorrufen, das Smartphone wegzusperren und ihren Kindern Social-Media zu verbieten. Ob ein Social-Media-Verbot für Jugendliche wirklich sinnvoll ist, wird aktuell in Deutschland kontrovers diskutiert. Vordringlicher als ein Verbot ist zahlreichen Medienpädagogen zufolge, dass die Medienkompetenz gestärkt wird und Eltern ein Verständnis für die digitale Lebenswelt ihrer Kinder entwickeln. Wer den Mechanismus hinter Online-Challenges begreift, kann sein Kind gezielt stärken. Das Tübinger Gesundheitsamt unterstützt Eltern dabei, die Medienkompetenz ihrer Kinder zu fördern und bietet ab dem 15.10.2026 wieder digitale Elternabende zum Thema Medien an.

Eine Hand hält ein Handy, in das Handy hinein führen Gleise auf denen eine Person auf eine Brücke immer weiter gehtr

Was Eltern über Social-Media-Challenges wissen sollten

Social-Media-Challenges sind Mitmach-Aktionen, die auf Plattformen wie TikTok oder Instagramm kursieren. Jugendliche filmen sich selbst oder andere während sie bestimmte Aufgaben absolvieren und teilen das Video anschließend über die Social-Media-Kanäle. Die Videos haben einen hohen Aufforderungs- und Wettbewerbscharakter. Sie entwickeln sich schnell zu weit verbreiteten Trends, obwohl sie manchmal gefährliche Aktivitäten beinhalten.

Hinter der Teilnahme von Kindern und Jugendlichen an Social-Media-Challenges stehen vor allem das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Anerkennung durch Likes und Bestätigung in der Gruppe. Das Jugendalter ist eine sensible Phase, in der digitale Likes als kurzfristiger Puffer für innere Unsicherheiten dienen. Zum Streben nach sozialer Anerkennung kommen der Reiz des Verbotenen, das Austesten eigener Grenzen und die entwicklungsbiologisch bedingte Anfälligkeit des jugendlichen Gehirns für schnelle Impulse und Reize.

Doch nicht jede Online-Challenge ist gefährlich. Viele Trends unterstützen Jugendliche in ihrer Entwicklung, machen Spaß und stärken Kreativität, Sport sowie das Gemeinschaftsgefühl. Andere lenken die Aufmerksamkeit auf soziale oder ökologische Themen. Gefährlich wird es erst, wenn Risiken verharmlost werden, Schmerz oder Ekel im Vordergrund stehen und Jugendliche bei extremen Mutproben ihre Gesundheit oder gar ihr Leben riskieren.

Die Risiken und Gefahren erkennen

Social-Media-Challenges können teilweise langfristige sowie lebensgefährliche Folgen haben: Trends wie beispielsweise die „Blackout Challenge“ (bewusstes Herbeiführen einer Ohnmacht) können zu irreparablen Hirnschäden oder sogar zum Tod durch Erstickung führen. Darüber hinaus existieren Challenges, bei denen z. B. Medikamente in extrem hohen Dosen eingenommen werden, wodurch es zu akutem Organversagen kommen kann. Zudem erzeugt die Dynamik sozialer Netzwerke einen psychischen Druck, der für Heranwachsende eine extreme Belastung darstellen kann. Ein ausgeprägter Gruppenzwang, Versagensängste sowie die Traumatisierung von Zuschauenden hinterlassen tiefgreifende Spuren in der Psyche von Kindern und Jugendlichen. Hinzu kommt, dass durch leichtfertig hochgeladene Videos ein digitaler Fußabdruck im Internet oft dauerhaft bestehen bleibt und so die berufliche Zukunft sowie die Privatsphäre junger Menschen langfristig negativ beeinflussen kann.

Handlungsempfehlungen für Eltern

Gerade Eltern spielen eine entscheidende Rolle dabei, Kinder frühzeitig aufzuklären, sie zu begleiten und gemeinsam sichere Alternativen zu finden. Dabei ist es wichtig, über gefälschte Videos aufzuklären und Kinder gegen Gruppendruck zu stärken. Um eine Weiterverbreitung gefährlicher Trends zu verhindern, sollten diese nicht geteilt oder gepostet werden – auch nicht als Warnung. Bei Vorfällen im Umfeld wird empfohlen, andere Erziehungsberechtigte und die Schulleitung zu informieren. Schädliche Inhalte können direkt bei den Plattformen gemeldet werden. Weitere Meldemöglichkeiten sowie anonyme Hilfsangebote für Themen, die Kinder nicht mit ihren Eltern oder Lehrkräften besprechen wollen:

Veranstaltungsreihe: digitale Elternabende

Das Gesundheitsamt Tübingen bietet eine kostenlose Veranstaltungsreihe in Form mehrerer digitaler Elternabende zum Thema Medien an:
15.10.26 (Kita), 12.11.26 (Grundschule), 26.11.26 und 10.12.26 (weiterführende Schule).

Interessierte Eltern können sich anmelden  unter:

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie Tübingen hat das Onlinetraining „ISES!“ zur Medienerziehung entwickelt: 

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