Medienkonsum bei Kindern

Warum es nicht nur auf ein Zeitlimit ankommt

Zum Schuljahresbeginn 2026 veröffentlicht das Gesundheitsamt Tübingen wieder Ergebnisse der Einschulungsuntersuchungen. Die Auswertung zeigt: Der Medienkonsum ist immer noch deutlich höher als vor der Corona-Pandemie.

Ein Trend, der besonders im Zusammenhang mit aktuellen Studienergebnissen besorgniserregend ist.
Forschende haben herausgefunden, dass ein hoher Medienkonsum häufiger zu sozio-emotionalen Problemen führt. Das bedeutet, dass betroffene Kinder anhaltende Schwierigkeiten haben, eigene Gefühle zu regulieren und soziale Beziehungen altersgerecht zu gestalten. Dies kann sich z. B. durch Aggression, Wut, Angst oder sozialen Rückzug zeigen. Umgekehrt nutzen Kinder mit sozial-emotionalen Entwicklungsstörungen häufiger Bildschirmmedien, um sich von ihren Problemen abzulenken. Dadurch kann ein Teufelskreis entstehen, bei dem eine Beschränkung der Bildschirmzeit allein nicht ausreicht.

Eine Kinderhand tippt den im Ruhezustand befindlichen Bildschirm eines Tablets an

Welche Bildschirmzeiten sind altersgerecht?

Bis 3 Jahre sollten Kinder bildschirmfrei aufwachsen, da ungestörte Interaktionen mit Bezugspersonen und aktive Erfahrungen für ihre Entwicklung wichtig sind. Für Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren empfiehlt die Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) höchstens 30 Minuten Bildschirmnutzung an einzelnen Tagen, von 6 bis 9 Jahren maximal 30 bis 45 Minuten. Im Einschulungsjahrgang 2025 des Landkreises Tübingen überschritten 40 % der Kinder diese Empfehlung unter der Woche, am Wochenende sogar 65 % der Kinder. Vor der Corona-Pandemie nutzte ein Anteil von 27 % Bildschirmmedien unter der Woche länger als empfohlen (am Wochenende 47 %).

Medien im Familienalltag

Eltern haben eine Vorbildfunktion. Kinder merken, wenn Bezugspersonen abgelenkt sind. Daher sollten sie ihr Smartphone immer wieder bewusst weglegen und sich mit voller Aufmerksamkeit den Kindern widmen. Gemeinsam vereinbarte Regeln (z. B. keine Bildschirmmedien beim Essen oder direkt vor dem Schlafen) sollten für alle Familienmitglieder gelten.

Warum auch die Qualität der Bildschirmzeit wichtig ist

Nicht nur auf die Zeit, die am Bildschirm verbracht wird, kommt es an, sondern auch auf die Inhalte. Gaming (das Spielen von elektronischen und digitalen Medien, insbesondere Videospiele auf Konsolen, PCs, Smartphones oder Tablets) und Social Media haben laut Studien einen stärkeren negativen Effekt auf die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern als gemeinsames Fernsehen. Eine eigene Spielkonsole sollten Kinder nicht vor 9 Jahren besitzen. Als weniger problematisch wird es erachtet, wenn Kinder nur gelegentlich Videospiele oder digitale Lernspiele nutzen. Positive Erfahrungen im echten Leben (z. B. Treffen mit Freunden oder sportliche Aktivitäten) haben jedoch Vorrang. Zusätzlich zur maximalen Bildschirmzeit ist die Auswahl passender Formate wichtig. Eltern und andere Bezugspersonen sollten sich vorab über die Inhalte und Altersempfehlungen informieren. Dabei ist zu berücksichtigen, dass jedes Kind individuell reagiert und bestimmte Inhalte oder Darstellungen als angsteinflößend oder traumatisierend empfinden kann.

Begleitung durch die Eltern

Insbesondere junge Kinder sollten Medien nicht allein nutzen. Wenn Eltern ihre Kinder z. B. beim Fernsehen beobachten, können sie die Reaktionen der Kinder auffangen. Ausreichend gemeinsame Zeit nach der Sendung ist wichtig, um über das Gesehene zu sprechen und Fragen zu klären. Auch ältere Kinder und Jugendliche profitieren von einer Begleitung bei der Mediennutzung. Durch die gemeinsame Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen erfahren Eltern, was ihre Kinder gerade beschäftigt und möglicherweise belastet. So entstehen Gelegenheiten, bei denen sie ihre Kinder unterstützen können, die nötigen Kompetenzen zur Bewältigung zu entwickeln.

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